Ich habe fertig

GESCHRIEBEN AM 07.07.2016 in Puerto Lopez, Ecuador

 

Ich habe fertig
Nun ist es soweit. Mission erfüllt!
Der Fc und ich haben das Jahr unbeschadet überstanden. Den Großteil des bolivianischen Volkes habe ich davon überzeugen können, dass es nur einen wahren Fußballgott gibt und der Lukas Podolski heißt( gelegentlich in Abwesenheit von Poldi oder in wichtigen Elferschießen auch Jonas Hector).
Aber nun zur Lage der Nation. Was für mich eine lange Zeit überhaupt nicht vorstellbar war, ist nun eingetroffen. Mein Jahr geht zu Ende. Das Dorf schon verlassen und von allen Personen die mich dieses begleitet haben verabschiedet ging es auf in die letzten Wochen Urlaub. Jedoch ganz gegensätzlich ist die Stimmung im Vergleich zu sonstigen Reisen. Ich spüre keinen Druck etwas zu erleben oder zu sehen, ich brauche mir keine Pläne zu machen ich hab genug gemacht für dieses Jahr. Stattdessen bin ich einfach nur froh hier gewesen zu sein. Das erlebt zu haben, was ich erlebt habe, die Menschen kennen gelernt zu haben,  die ich kennen gelernt habe. Früher habe ich über bestimmte Sprüche gelächelt und sie als dämlich abgetan. Auf manche mag das vielleicht auch heute noch zutreffen, nicht jedoch auf den, dass man etwas mit einem weinenden, sowie einem lachenden Auge zurücklassen kann. Traurig die meistens wunderbaren Kinder nicht mehr zu sehen, die das alltägliche Leben so spannend und abwechslungsreich gestaltet haben , Bolivien mit all seinen lustigen Menschen und fiestas zu verlassen, Südamerika adiós zu sagen, was ich mit all seinen Mäkeln doch so sehr zu lieben gelernt habe… Aber.!! Aber was bin ich auch froh Familie, Freunde und Bekannte wiederzusehen, Köln wieder zu erleben, einen richtigen Karneval wieder, das wunderbare deutsche Essen und eine gewisse Verlässlichkeit bei gewissen Dingen und natürlich mal wieder die Herren des 1.FC Kölns zu sehen, wie sie das Rennen um die Meisterschaft nochmal spannend machen und fast bis zum 2. Spieltag mithalten können. Um dies alles verarbeiten zu können, verbringe ich gelassen die letzten Wochen an der Küste Ecuadors. In sich gekehrt und ab zu nett mit den Einheimischen plaudern mehr muss es doch gar nicht sein. Ein kühles Bier, ein Sandwich, Blick auf den Pazifik. Selbst die südamerikanische Musik, die sehr gewöhnungsbedürftig und sehr sentimental ist, sodass sie mir beinahe eine Träne in die Augen treibt, kann mir nicht die Stimmung verderben. Neben mir tanzt ein Pärchen zu einem sanften Liebeslied(Nein ich tanze nicht!! Ich esse mein Sandwich), vor mir das  rauschende Meer. Es könnte  alles aus einem Film stammem,  einem fröhlichen,  mit Happy End und allem…plötzlich geht die Musik und das Licht aus. Ich sitze im Dunkeln. Stromausfall…und leise, ganz leise höre ich in meinem Hinterkopf Giovanni Trappatonis Stimme zu mir sprechen, welche Worte ich gleichzeitig laut ausspreche „Ich habe fertig“

Advertisements

Mir trecke durch Kolumbien

Morgen ist es so weit. Um 7:25 Uhr bolivianischer Ortszeit machen wir uns auf, um unseren wohlverdienten Urlaub anzutreten. 4 Wochen, werden wir uns durch den Dschungel schlagen, an der Karibik faulenzen und vieles mehr erleben. Dementsprechend werdet ihr in dieser Zeit wahrscheinlich nichts von mir hören. Somit Jetzt schon mal im Vorfeld gesagt „frohes neues“ euer Pirmin

Die Silberminen von Potosí

 

Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.

Oscar Wilde

„increíble“…increíble zu deutsch unglaublich war das Wort, was ich wohl am häufigsten in den Mund nahm, wenn ich nach oder während meiner Reise nach meinen Eindrücken gefragt wurde.

Meine  erste touristische Reise führte mich von Sucre aus nach Potosí, der Silberstadt über Uyuni in den Salar de Uyuni und den umliegenden Lagunen, sowie Wüstenregionen, zurück nach Uyuni, um schließlich in La Pa(z) zu enden.

Im Vorfeld hatte ich schon viele eindrucksvolle Bilder gesehen und auch das Titelbild des hiesigen Blogs, sollte ich nun real erleben dürfen.

Abgeholt wurden wir in Sucre, um die vierstündige Reise nach Potosí anzutreten. Schon während der Reise sahen wir drei Reisenden unbeschreibliche Landschaften, da wir uns auf bis zu 4000m befanden und verschiedenste Landschaften unsere Augen verwöhnten. Angekommen in Potosí machten wir uns auf die Suche nach dem Hotel Jerusalem/ Jerusalen(es waren beide Möglichkeiten im Hotel zu finden). Nach kurzem Entspannen, machten wir uns auf, um unseren knurrenden Mägen Einhalt zu gebieten. Auf Empfehlung von der Rezeption, begaben wir uns ein sehr feines Lokal, wofür wir dann doch ein wenig underdressed waren, da wir allesamt in Sporthose erschienen. Nichtsdestotrotz wurden wir nicht komisch angeguckt, da hier in Potosí sich eine nicht zu unterschätzende Menge an Touristen herumtreibt. Sobald wir die Karte aufgeschlagen hatten, wurde uns bewusst es würde ein recht teures Dinieren werden. Andererseits standen traumhafte Leckereien, wie Fisch oder andere Fleischsorten außer Hähnchen zur Auswahl. Nach kurzem Überlegen, legten wir uns fest, wenn schon, es sich dann mal richtig zu gönnen. Dies führte zu einer unfassbar leckeren Vorspeise aus Suppe und einem fantastischen Fleischgericht. Wie vielleicht schon an meinen Beschreibungen zu erkennen, stellte es für uns eine wahres Festmal dar und ein Orgasmus der Geschmackssinne. Gleichzeitig wurde einem auch deutlich, wie sehr man eine wirklich gute Küche vermisste…

Nachdem wir glücklich und gesättigt uns zum Hotel begaben, wurden wir nur kurze Zeit später abgeholt, um, zusammen mit 2 Argentiniern, den Silberberg, bzw. die Silberminen von Potosí zu besuchen. Auf dem Weg wurde uns entsprechende Kleidung geliehen und wir mussten einen kleinen Betrag ausgeben, um Geschenke für die Minenarbeiter zu kaufen. Diese Geschenke bestanden aus Coca, Ceibo( 96% Alkohol), sowie Soda. Gleichzeitig stopften wir uns die Backen voller Coca, da die Luft auf 4000m und in einem Silberberg nicht allzu gut ist. Außerdem besaßen wir die „Ehre“, den Genuss von purem Alkohol zu spüren, was uns wirklich sämtliche Innereien im Körper verbrannte.

Angekommen am Berg setzten wir uns den Mundschutz auf und machten die Kopfleuchte an, da wirklich eine staubige Luft herrschte und zudem es wirklich nach wenigen Metern stockdunkel war. In der Mine sahen wir viele Arbeitsplätze der „mineros“, der Minenarbeiter, sahen den „Dios“, den Gott, der die Arbeiter unter Tage beschützen soll, führten interessante Gespräche mit den glücklichen, aber auch deutlich vom Schicksal gezeichneten Arbeiter und konnten sogar zehn Sprengungen hören. Vor allem die Sprengungen und die Gespräche mit den „mineros“ gestalteten sich sehr interessant. Zum einen weil ich selten solch laute Geräusche gehört habe, wie die einer Sprengung mit Dynamit in einem Silberberg. Aber auch die Stimmung war sehr  dramatisch, wie wir dort ausharrten, gebannt wartend auf die Sprengung, in völliger Finsternis. Andererseits, war es sehr eindrucksvoll, wie die „mineros“ von ihrem Alltag erzählten, der wirklich wahnsinnig anstrengend, hart und ernüchternd sein kann, da man keine Gewissheit besitzt, ob man denn heute überhaupt genug Silber findet. Außerdem, wie sie mit ihrer Arbeit umgehen, und dem Leben ohne natürliches Licht, wie sie beispielsweise ihre Hoffnung einzig allein dadurch aufrechthalten, dass sie sich nicht ihr Leben, ihre Arbeit im Berg für ihre Kinder wünschen. Des Weiteren ihre politischen Einschätzung, wie sie beispielsweise aufgrund fehlender Wertschätzung/ Bezahlung schlechter leben, als Arbeiter in anderen Ländern…

Nach ungefähr 2 1/2 Stunden war unser Abenteuer unter Tage, dann auch vorbei. Glücklich wieder die Wärme der Sonne zu spüren und ein angenehmes Brennen zu spüren, sobald man in die Sonne blickte, wurde uns aufs neue ansatzweise bewusst, mit welchen Anstrengungen eine Arbeit im Silberberg verbunden ist.

Den Abend verbrachten wir an der Plaza, an dem ein Spektakel stattfand. Überall glitzerte und blinkte es, jeder Winkel blendete eine und man war erstaunt über diesen wahnsinnigen Kitsch, den man auf der Plaza beobachten konnte. Es waren ganze Leuchtbilder auf 3-stöckigen Häusern zu sehen. All dies wurde noch getoppt, indem Runde für Runde ein Traktor mit Anhänger, um die Plaza fuhr, auf dem sich Weihnachtsmänner mit Kindern befanden, um ihre Art und Vorstellung von Weihnachten ausleben zu können.

Santa Cruz

SOY DE BLOOMING. SOY CHIFLADO Y LO SIGO A TODOS LADOS.

Nun sollte also das Abenteuer Fußball in Südamerika beginnen. Was hatte ich schon alles gehört und gesehen von weltweit bekannten Mannschaften wie River Plate und Boca Juniors aus Argentinien,  Sao Paulo und dem FC Santos aus Brasilien oder Colo Colo aus Chile. Einmal das südamerikanische Feeling eines Stadions erleben. Eines wirklich altehrwürdigen Stadions, mit Stadionrängen aus Beton, ohne Logen, nummerierten Eintrittskarten, Stadionzeitschriften, die dank Werbung mehr zum Abputzen des Allerwertesten dienen, als sonst etwas, ohne lästige Halbzeitwerbung oder dem „Rewe präsentiert ihnen das Eckenverhältnis, die letzte Viertelstunde und die Unfähigkeit des Schiedsrichters“. Stattdessen malte man sich tolle Choreographien, eine einmalige Stimmung und natürlich das legendäre „Gooooooooooooooooo…ooooo…ool“ aus, bei dem selbst ein Trippel(Stadionsprecher FC Köln Anm.d.Red.) vor Neid und Anerkennung erblassen würde. Zusammengefasst ein Paradies für Fußballromantiker.

Schon seit Beginn des Auslandsjares begab ich mich auf die Suche nach interessanten Partien. Jedoch war diese Suche mehr oder weniger ernüchternd. In der Umgebung gab es keinen Club der in der ersten Liga spielte. Damit war schon mal der erste Traum dahin, ich würde hier meine Leidenschaft in gewissen Zügen befriedigen können. Jedoch ergab sich dann an einem Wochenende in Santa Cruz die Möglichkeit ein Spiel zwischen dem erstplatzierten aus La Paz „The Strongest“(1.) gegen Blooming(6.) aus Santa Cruz anzuschauen. Kurze Anmerkung es ist wirklich sehr merkwürdig wenn ein minimaler Anteil der bolivianischen Bevölkerung ein paar Brocken Englisch kann und ein Club in eben dieser Sprache benannt wird. Dies stellt des Weiteren keine Einzelheit dar, man findet recht interessante gar witzige Namen bei den verschiedenen Vereinen. Zurück zum Wesentlichen.

Mit freudigen Erwartungen begaben wir uns Richtung Stadion. Das Stadion befindet sich im Stile alter Stadien zentral in der Stadt, sodass wir uns zu Fuß aufmachten. Als wir das Stadion erblickten mitsamt der Stände rundherum, die Trikots des Vereins Blooming Santa Cruz verkauften war die Begeisterung kaum noch in Grenzen zu halten, da mich dieses Bild doch sehr an schöne Tage in Köln erinnerte. Lediglich die Vereinsfarben ließen noch ein wenig zu wünschen, da diese in hellblau/blau gehalten sind. Glücklich machten wir uns zum Ticketstand auf um eine Eintrittskarte in der „Curva“(Stehplatz) zu kaufen für schlappe 20 Bolis(knapp 3€). Der teuerste Platz stellte einen Sitzplatz auf der Längsseite dar, für immerhin 9€. Des Weiteren kommen alle unter 14 Jährigen und Frauen gratis ins Stadion. Außerdem ist hinzuzufügen, dass die Preise ähnlich wie in Deutschland vom Gegner stark abhängig sind. Vor dem Stadion verkauften Kinder „Sitzpolster“, bestehend aus einer Menge Zeitungspapier, an diejenigen, die zwar die gute Stimmung in der „Curva“ genießen wollten, sich jedoch dann doch zu schade waren auch zu stehen. Auch war zu erkennen, dass man ebenfalls beim Fußball keine besondere Pünktlichkeit an den Tag legt, zumindest was den großen Teil der Zuschauer angeht. Denn noch 10 Minuten nach Anpfiff waren die Stadionkassen mit Schlangen gefüllt, was jedoch nicht am allgemeinen Andrang lag, wie wir später bemerken sollten. Nachdem wir uns bereicherten mit Tickets für die Ewigkeit, wurden wir dann auch schon zu Militärbeamten geführt die uns durchsuchen sollten. Ja hier spielt das Militär eine sehr große Rolle im Alltagsleben und auch im Stadion mangelte es nicht an Männern mit Maschinenpistolen und Schutzschilden. Hier ticken die Uhren eben etwas anders. Jedoch stellte sich die Durchsuchung als recht lasch dar, da lediglich unsere Taschen geöffnet wurden. Als wir dann auch das letzte mögliche Hindernis passierten blickten wir in das innere und sahen in ein Stadion, das vielleicht zum drittel gefüllt war. Der Rasen war wahrlich Kreisliga Niveau und das Spiel der Kicker war noch ein wenig schlechter. Man beachte es war tatsächlich mehr oder weniger ein Spitzenspiel für bolivianische Verhältnisse. Neben dieser Enttäuschung gab es aber auch sehr amüsante und interessante Dinge zu beobachten.  Da wäre zu Beginn der Auswärtsblock eines Stadions, welches immerhin mehr als 30.000 Zuschauer fasst, also nicht ganz klein. Jedoch mussten sich die angereisten Fans sicher nicht Sorgen machen um Tickets, oder Schwarzmarktpreisen. Um genau zu sein, es waren vielleicht 30 Auswärtsfans angereist. Diesen Anblick könnte man tatsächlich als süß beschreiben. Jedoch trieben die Auswärtsfans es doch tatsächlich auf die Spitze indem sie kurz nach Wiederanpfiff eine „Pyroshow“ darboten, welche allerdings mit dem Rauch von mehreren Zigaretten zu vergleichen wäre. Gegen Ende der zweiten Hälfte und beim Spielstand von 1:0 für Blooming, beschlossen wir das Weite zu suchen, da das Spiel eine enorme Müdigkeit in uns hervorrief und wir noch am gleichen Abend aufbrechen mussten, um zurück nach Camiri zu kommen. So endete also mein erster Stadionbesuch, der sicherlich noch deutlich Potential nach oben zuließ, jedoch für den Anfang schon ganz nett war und auf jeden Fall mein Interesse für weitere Stadionbesuche weckte.
Das Wunder des Fußballs besteht darin, daß ihn Millionen ins Tor schießen, obwohl nur einer am Ball ist.

Manfred Poisel

Santa Cruz

Santa Cruz
Der Samstag ( datiert vom 24.10.2015)

Zusammen mit der WG aus Puerto Quijarro hatten wir beschlossen ein Wochenende in Santa Cruz zu verbringen. Gleichzeitig sollte am Samstag noch der Geburtstag eines Mitfreiwilligen gebührend gefeiert werden. Aufgemacht hatten wir uns in der Nacht von Freitag auf Samstag, um uns der 4 stündigen Fahrt zu widmen. Dies hatte zur Folge, dass wir gegen 6 Uhr vollkommen ermüdet in der Jugendherberge „Jordanga“ ankamen, unsere Zimmer jedoch erst um 14 Uhr beziehen konnten und somit noch mehrere Stunden an Ort und Stelle ausharren durften. Der ein oder andere nutzte diese Zeit, um ein wenig Schlaf nachzuholen, die warmen Duschen vor Ort zu erkunden oder eine Abkühlung im Hauseigenen Schwimmbad vorzunehmen. Früher als gedacht kamen dann auch die Freiwilligen aus Quijarro an, die immerhin eine 10 stündige Fahrt hinter sich hatten und mindestens genauso fit aussahen wie wir. Da zu der Müdigkeit sich des Weiteren der Hunger gesellte machte man sich auf, um im nahegelegenen Mercado ein Frühstück zu sich zu nehmen. Dieses Frühstück bereitete wahrlich Urlaubscharakter. Bei angenehmen 36 Grad saßen wir am Straßenrand, in der linken Hand ein Früchteshake oder einen kalten Kakao und in der Rechten ein Donut oder mit mehreren käsegefüllten Empenadas. Nachdem unser Hunger gestillt wurde begab man sich erneut in die Jugendherberge, um dem Körper eine nicht unwillkommene Abkühlung zu gewähren. Freudig plantschte man vor sich hin und man bereute schon da, dass man nur solch‘ eine kurze Zeit hier verbringen sollte. Zu relativ früher Stunde wurde zu Ehren des Geburtstagkindes, bereits mit einem Bierchen angestoßen. Wobei tatsächlich ein klein wenig Heimatgefühl aufkeimte, durch das mitbringen des Kölschglases. In herrlicher Atmosphäre konnte man so, im Stillen in der Vergangenheit etwas umherschweifen. Auch die weiteren Stunden verbrachte man in Poolnähe die einen im Schatten, die anderen in der prallen Sonne. Jedoch verbrachte jeder diese Stunde in maximaler Wohlfühlatmosphäre. Mit einem gemeinsamen Eis(diesmal wunderbarer Qualität), einem kleinem Stadtbummel, dem beantworten einer Stundentenumfrage zum Thema Tourismus und dem schlichten Sitzen auf der Plaza ließen wir den Tag voranschreiten. Für den Abend hatten wir uns in der heimischen Jugendherberge für das Bbq eingetragen, was nebenbei auch noch viele weitere Leckereien zu bieten hatten, wie frittierte Bananen, Salat, Kartoffelpüree und vieles mehr. Zu später Stunde machten wir uns auf, um eine Discoteca zu finden, die unseren Wünschen entsprach. Extra hatten wir uns Tipps von den Einheimischen geholt, um einen 20. Geburtstag gebührend feiern zu können. An der genannten Bar erkannten wir jedoch, dass ersten sie eher schlecht als recht besucht war und zweitens zudem der Eintritt doch recht hoch für männliche Besucher ausfiel und dafür im Gegensatz zu weiblichen Besuchern nicht einmal Angebote enthielt. Aus genannten Gründen entschlossen wir uns diese Bar nicht zu besuchen und bei dem zweiten Tipp auf mehr Erfolg hofften. Dazu sollte es jedoch gar nicht kommen, da wir auf dem Weg ein nettes Pärchen kennenlernten, die uns zu einer sehr vollen Disco führen sollten. Diese Disco wirkte wie ein großes Ferienhaus und bestand aus mehreren Räumen, in denen die Menschen verteilt saßen(so einen Raum konnte man sich anscheinend mieten, da dort weitere Geburtstage gefeiert wurden. Jedoch bedeutete dies für uns, dass wir uns auf einen der billigen Plätze, wenn man denn überhaupt einen fand zurückziehen durften. Musikalisch war es wie mehrere Male zuvor ein ordentlicher Reinfall, der noch getoppt wurde dadurch, dass eine unendliche Hitze aufgrund des Wetters und der Masse an Menschen entstand, sodass man vollkommen durchnässt den Club verließ. Eine Randnotiz, im Gegensatz zu europäischen Discos endet hier mehr oder weniger alles um 3 Uhr bereits, da um diese Uhrzeit die Polizei kommt, um alle verbliebenden Gäste hinauszubefördern.

Krankheit

Ein Beitrag zu meiner aktuellen Lage in Bolvien.

Nachdem ich ausführlich, erfolgreich und mit reichlich flüssig Gold, Singani, Frenet, Wein und anderen lokalen Spezialitäten meinen Geburtstag gefeiert hatte, erwischte mich zum ersten Mal in Bolivien eine etwas langwierigere Krankheit. Anders, als vielleicht erwartet ging es doch nicht zum Schamanen, sondern ins Krankenhaus.

Doch auch so etwas lässt einem Einblicke in die bolivianische Kultur gewähren. Man kann sich an manchen Tagen glücklich schätzen Mitfreiwillge im Krankenhaus zu haben, die wenn es einem schlecht geht, einem im Krankenhaus zeigen können, wie man sich anzumelden oder wo man als nächstes hinzugehen hat(hier geht jeder sofort ins Krankenhaus, da sogenannte Hausärzte sich ebenfalls im Krankenhaus befinden). Außerdem wenn gerade zu starker Andrang ist, auch mal aufgrund freundschaftlicher Beziehung, man dank ihnen sich „ordnungsgemäß“ vordrängeln darf, man durch den Hintereingang kommt, um sofort Blut abgenommen zu bekommen oder man von einem anderen Arzt behandelt werden kann(der zwar auf ganz andere Dinge spezilialisiert war, aber Arzt ist Arzt). Nach einer eindringlichen und sorgfältigen Betastung meines Bauches wurde ein Infenkt festgestellt. Aufgrund dieser Diagnose wurden mir dann mehrere Medikamente verschrieben, die zu besorgen sein. Darunter auch für 28 Tage Antibiotika. Während in Deutschland meine bisherige Dauer an Einnahme von Antibiotika höchstens 5 Tage betrug, so wurde hier nicht an Medikamenten gespart. Die etwas erschreckende Nachricht von 28 Tagen Antibiotika, wurde auch nicht unbedingt durch die Information verbessert, dass es sich bei dieser Arznei, um ein Chemotherapiemittel handelte. Nun hat sich im Laufe der Krankheit herausgestellt, dass die Dosis nur halb so stark ist und deswegen die ungeheure Menge von 72 Tabletten von Nöten ist.

Des Weiteren sollte ich ab jetzt auf fettiges Essen verzichten. Gesagt getan…gab es gestern beispielsweise Hot Dogs mit Käse. In Bolivien fällt es dann doch recht schwer, nicht fettig zu Essen, sodass ich mich einer Diät unterziehen muss, der „dieta blanda blanca“, also gekochtes Hühnchen ohne Haut, mit Möhren und Kartoffeln. Schmeckt wie es der Name schon andeutet wirklich überhaupt nicht lecker, sodass ich aufpassen muss, hier nicht vom Fleisch zu fallen. Allerdings gibt es hier eine Besonderheit, durch das häufige erbrechen, ist mein Elektrolyte-Haushalt und vieles andere geschwächt, sodass mir ein Getränk aus der Apotheke empfohlen wurde, als „Medizin“. Jedoch war ich dann wirklich sehr überrascht, dass es sich dabei  um ein Getränk handelt, dass auch in Deutschland verkauft wird, „Powerade“. Ein Getränk, dass durch seine blaue Farbe schon recht künstlich wirkt und auch die Inhaltstoffe scheinen eher so semi-natürlich/gesund zu sein. So viel zu hier ist alles natürlich und traditionell, vielleicht wäre der Schamane doch besser gewesen.

 

Nachdem dann auch mein Blut analysiert wurde, stellte sich heraus, ich hätte Salmonellen, sodass ich nun seit mittlerweile 1 1/2 Wochen krank im Bett liege und hoffe für den Beginn meiner Reisen in  1 1/2 wieder vollkommen fit zu sein.

 

die letzten Wochen im Überblick

Sucre- die nächsten Tage

Trotz Sonnenbrand und Muskelkater ging es in den nächsten Tagen zu Interpol und Migración, um das Visumsverfahren abzuschließen, welches wie erwähnt sich lediglich auf drei Tage beschränken sollte. Im Gegensatz zu dem ersten Aufenthalt in Sucre, beschränkten sich die Wartezeiten, bis auf ein Mal, auf die Vormittage, sodass man die restliche Zeit für andere Zwecke nutzen konnte. Zumindest solange man sich bei bester Gesundheit befand. So bot es sich an ein Eis essen zu gehen, Kuchen oder süße Speisen zu genießen, einfach mal die Seele baumeln lassen. Nach vollendeter Genesung machte auch ich mich mit zwei netten Damen zum Eis essen auf. An diesem recht warmen Tag für Sucre-Verhältnisse, bestand ich auf ein Fruchteis, bestehend aus Ananas und Pfirsich. Jedoch hatte dieses die Konsistenz von Kaugummi und auch noch dazu einen ähnlichen Geschmack. Letztendlich war es ein ordentlicher Fehleinkauf, da ich mir erstens, ohne das Eis jemals probiert zu haben, natürlich zwei Kugeln kaufte, zweitens anstatt auf „vertraute“ Sorten, wie Schokolade zu setzen(wie die anderen) nahm ich natürlich das bunteste und am künstlichsten aussehende Eis. Blöderweise war das Eis vergleichsweise teuer, sodass ich wenig positives diesem „Eis essen gehen“ abgewinnen konnte, bis auf die nette Begleitung, sodass der Fehleinkauf fast schon wieder witzig war. Des Weiteren konnte man die Zeit nutzen, um an einer der vielen Marktstände unbekannte Früchte, sehr leckere und sehr süße Fruchtsäfte, DVDs oder CDs(diese stellten bereits die Hits von 2019 in Brasilien vor. So etwas gibt es auch nur in Bolivien.) für kleines Geld kaufen konnte. Dies führte unweigerlich dazu, dass sich bei vielen Freiwilligen Stapel von DVDs ansammelten und mittlerweile ein Heimkino in Tarabuco(eine Ansammlung von circa 60 DVDs) eröffnet werden soll. Wenn einem die Auswahl, die wirklich fast alles umfasste was das Herz begehrt, trotzdem nicht so sehr ansprach, der besaß immer noch die Möglichkeit, bei einer der vielen Tauschaktionen innerhalb der Freiwilligen-Szene, sich seine Wünsche nach Filmen oder Serien zu erfüllen. Nebenbei, wurde uns mitgeteilt, dass unser Visumsverfahren etwas in die Länge gezogen werden sollte, da am Samstag eine besondere Fiesta anstand. Die „Fiesta de la Virgen Guadalupe“ sollte, DAS große Ereignis schlechthin darstellen. Ursprünglich war nur geplant, dass wir uns das Spektakel von außen ansehen könnten, jedoch ergab sich ein wunderbares Angebot, dass wir für umgerechnet knapp über 20€ selber Teil des Spektakels werden konnten. Dieses einmalige Angebot nahmen einige Freiwillige inklusive mir an, um das erste Mal sehr tief in die bolivianische Kultur einzutauchen. Dies hatte zur Folge, dass wir die zwei Abende vor der Fiesta mit nächtlichen Tanzstunden verbrachten, die uns auf die Parade am Samstag möglichst gut in dieser doch sehr kurzen Zeit vorbereiten sollte. Denn im Gegensatz zum kölschen Karneval beglückt man die Zuschauer nicht mit Kamelle, Funkemariechen, dem Bützen oder ausgefallenen Wagen, sondern indem man in bunten Verkleidungen zu typisch bolivianischer Musik tanzt. Während wir an den ersten Abenden noch ohne Verkleidung tanzten, versuchten wir uns an den Tänzen und Bewegungen, die eingeübt und im Takt wirklich schon jetzt wunderbar aussahen. Jedoch lief noch nicht alles am Schnürchen und manch einer hinkte noch dem Takt hinterher oder die Schrittreihenfolge überforderte zu Beginn den ein oder anderen. Hinzuzufügen ist allerdings, dass wir an beiden Abenden mit Bolivianischer Pünktlichkeit anfingen, dies bedeutete mehr oder weniger, unsere Gruppe von Freiwilligen befand sich kurz nach abgemachter Uhrzeit an Ort und Stelle. Wobei wir schon mit fast schlechtem Gewissen uns aufgemacht hatten, da wir bereits eine ¼ Stunde zu spät losgingen und auch den Weg nicht auf der Stelle fanden. Diese Gewissensbisse stellten sich als dermaßen übertrieben dar, denn wir sollten noch mehr als eine Stunde am Treffpunkt Einhalt gebieten, bis dann erst einmal ein Teil der bolivianischen Teilnehmer auftauchte, um die Rollen an uns zu verteilen. Nachdem wir uns dann freiwillig in Gruppen aufteilen konnten, konnten wir, wie während der Wartezeit vorher die anderen Tanzgruppen begutachten, die sich rund um die Plaza aufgestellt hatten, um dort ihren Tanz zu praktizieren. Manch einem rutschte an dieser Stelle bereits das Herz in die Hose, denn man nahm zu der Zeit noch an, wir würden einen ähnlichen Tanz vollführen. Denn der Tanz den wir geboten bekamen, stellte selbst wohl den besten unter uns vor eine zu große Herausforderung. Es war eine wilde Nummer aus hüpfen, Weitsprung und klatschen, wobei es doch in gewisser Weise sehr anmutig und vor allem schon perfekt einstudiert aussah, untermalt wurde dieser Tanz von den vielen Glocken oder Schellen, die sich an den Stiefeln der Tänzerinnen und Tänzer befanden und bei jeder Bewegung, scheinbar perfekt aufeinander abgestimmte Klänge von sich gaben. Allerdings stellte vor allem die Ausdauer uns vor eine große Herausforderung. Während wir bei den Übungsstunden nicht mehr als 30 Minuten am Stück tanzten, sollten wir bei der Fiesta sieben Stunden durchtanzen. Vor allem, wenn man nach 30 Minuten schon kurz vor dem Kollabieren war und verzweifelte Gesten in Richtung nicht vorhandener Auswechselbank zum Ausdruck brachte, man bräuchte ein Sauerstoffzelt oder hielte eine Erholungsphase für angebracht. Da diese Bitte aber nicht erhört wurde, schleppten wir uns nach dem Training mit müden Beinen und Armen gen Hostel. Am zweiten Abend stand des Weiteren eine Party des Sohnes des Mentors von Sucre an. Bevor wir uns jedoch zur Geburtstagsfeier aufmachten, erhielten wir unsere Kostüme, die wirklich sehr ausgefallen aussahen. Vor allem die Masken, die Großväter und Anakonda, sowie der „Helm“ für den Bären sahen wirklich ausgezeichnet aus und die Vorfreude auf das Morgige stieg ins unermessliche. Guter Laune, aber auch ein wenig ermattet vom Tanzen setzte man sich in Bewegung, um der Party einen Besuch abzustatten. Die Party war schon voll im Gange(kein Wunder, da sie bereits gegen Mittag angefangen hatte)und der ein oder andere hatte schon einen über den Durst getrunken. Die Wenigen, die sich nach dem Tanzen noch motivieren konnten zur Party zu erscheinen, erlebten größtenteils nur noch Leute, die im Sitzen einschliefen, Menschen die nicht mehr geradeauslaufen konnten und die, die dem Brechreiz nicht mehr Einhalt gebieten konnten. Teilweise ganz amüsant, wenn man selber verantwortungsvoll nur in Maßen trinkt, da schließlich am nächsten Tag die große Herausforderung anstand. Zu später Nachtstunde kehrte man darauf irgendwann ein, um noch ein paar wenige Stunden Schlaf zu erhalten. Denn bereits um 12 Uhr sollte es schon wieder losgehen in unserer Gruppen. Diese bestanden aus Großvätern(sie durften theoretisch die Zuschauer mit ihren Gehstöcken schlagen, wobei mir eher unklar war warum), einem Bär(der vor allem den Kindern Angst einflößen sollte, was jedoch eher dazu führte, dass diese sich amüsiert haben), einer Anakonda(das Nationaltier Boliviens, zumindest auf deren Fahne), einem Wolfsähnlichen Tier(ähnliche Aufgabe wie der Bär), Teufeln(zu denen ich mich auch zählen durfte. Wir sahen einfach nur cool aus und hatten meines Wissen keinen tieferen Sinn) und in typischen Trachten angezogene Mädchen(ähnliche Aufgabe wie Teufel, angenommen man tauscht „cool“ mit „schön“). Unsere Gruppe wurde zudem von einer Musikgruppe begleitet, die auf Pan Flöten, Trommeln und Rasseln den Ton und theoretisch auch den Takt vorgaben. Den Takt vorzugeben viel dem größten Teil der Musiker recht schwer während der Fiesta, vor allem aufgrund des Alkohols in Kombination mit Coca und Kokain(wie uns nachher berichtet wurde). Wir sollten als Gruppe den „tantho moreno“ Tanz aufführen, wobei jede Gruppe eine etwas abgewandelte Form vollführte. Vor dem Tanzen deckte man sich noch mit einer ordentlich Portion Bananen und Coca ein, um die Energiereserven auf ein ungeahntes Maximum zu erweitern. Des Weiteren verköstigte man schon im Vorlauf der Fiesta eine nicht zu unterschätzende Menge an Alkohol, um den Schmerzen, die einem aufgrund der sieben Stunden tanzen bevorstanden, entgegenzuwirken. Im weiteren Verlauf, sollte sich die Mischung aus sehr viel Coca und des Öfteren ein Bier oder Singani(wirklich überhaupt ganz und gar nicht lecker, aber in der Not isst der Teufel ja bekanntlich fliegen, bzw. trinkt), als goldrichtig heraus, da man die sieben Stunden konditionell, als auch mental überraschend gut überstand. Vor allem die Mädchen leiden, da sie sich als einzige Gruppe nicht mit ihren alltäglichen Schuhen schmücken durften, sondern auf unbequeme, meist zu große oder zu kleine Sandalen umsteigen mussten. Trotz des kompletten Tapen des Fußes, beklagten sich einige noch Tage später über die enormen Schmerzen. Während des Umzuges durften wir außerdem sämtliche Speisen und Getränke kostenlos genießen, da der Organisator für uns diese Kosten übernahm. Das stellte sich als sehr angenehm dar, da wir an diesem warmen und sonnigen Tag sehr viel Flüssigkeit wieder aufnehmen mussten und auch ansonsten wohl kaum den Umzug bei „vollem“ Bewusstsein abgeschlossen hätten. Des Weiteren hätten wir auch nicht in dem Maße die am Rand stehenden Menschenmassen wahrgenommen, da sich fast ganz Sucre und Menschen aus dem Umland aufgemacht hatten, um dieses Spektakel sich anzuschauen. Wie wir schnell merkten, waren wir wirklich eine riesige Attraktion und Sensation. Man muss schon zugeben, wir sahen recht merkwürdig aus, wie wir blond, braun- oder rothaarig zwischen all den Bolivianern (die in Sucre wirklich sehr dunkle Haut haben) halbsteif und unbeweglich ohne das ganz perfekte Taktgefühl, das Tanzbein schwangen. Außerdem hatten wir mit meilenweitem Abstand den simpelsten Tanz, was auf Dauer auch uns bewusst wurde, was sicherlich auch auf die nur zwei  Abende Tanztraining zurückzuführen ist. Zudem fiel einem während der Parade mit zunehmender Dauer auf, das dieser Tanz auch recht schnell die Spannung verliert, wobei natürlich anzuerkennen ist, einen Tanz zu erfinden der über sieben Stunden weiterhin die Spannung aufrecht erhält, muss wohl zumindest für mich noch erfunden werden.  Während der sieben Stunden wurden wir von unzähligen Menschen interviewt, was aufgrund der Lautstärke der Musik, der nicht zu vernachlässigen Menge an Alkohol und unserem nicht perfekten Spanisch zu sehr interessanten Gesprächen führte. Des Weiteren stellten wir(Jungen und Mädchen) für Kinder, Frauen(wir Jungen) und Männer(die Mädchen) solch eine Attraktion dar, dass wir während des Zuges zig Male um Fotos gebeten wurden. Einen Höhepunkt des Spalier stehen für das Foto erlebte ich dann bei einer Pause kurz vor Einzug auf die finale Hauptstraße, wo Ich minutenlang mein Leben als kurzzeitiger Promi genießen durfte und gefühlt 100 Fotos mit meist hübschen Bolivianerinnen und mir machen lassen musste/habe. Auch durch diese Art von Motivation, erlebten wir die sieben Stunden als sehr kurzweilig und genossen einfach die Zeit tanzend in der Sonne. Noch heute 5 Wochen danach, denke ich mit einem Lächeln im Gesicht an diesen einmaligen Tag zurück.

Sucre- die letzten Tage

Die letzten Tage in Sucre verbrachte man mit dem Hintergedanken, dass es für mehr oder weniger vier Monate wohl das letzte Aufeinandertreffen mit dem ein oder anderen sein sollte. Diese Gegebenheit entsteht zum einen durch das nun scheinbar  abgeschlossenen Visumsverfahren, sodass es keinen Grund mehr gab nach Sucre zurückzukehren, außerdem stellt Bolivien zwar ein recht weit verbreitetes Straßennetz zur Verfügung, welches auch von Bussen befahren wird, allerdings sind die Entfernungen hier einfach meist größer und die Geschwindigkeit reicht nicht an die der Bahnen oder Busse in Deutschland heran. Für die Freiwilligen gibt es ein Angebot für ein Wochenende im Monat, an dem man in der nächstgrößeren Stadt, dieses Wochenende verbringen kann, dies bedeutet jedoch gleichzeitig eine WG darf dieses in La Paz, vier in Sucre und zwei (uns mit eingeschlossen) in Santa Cruz verbringen, sodass wir auch in dieser Hinsicht in gewisser Weise eingeschränkt sind, da wir wirklich nur in dieser Stadt das Wochenende verbringen können.

Eben durch diese Umstände feierte man gefühlte vier, fünf Mal Abschied von den Sprachkurslern. Angefangen am Montag nach der Fiesta, die ganze Woche dann bis wir dann überraschenderweise mit den meisten Sprachkurslern am darauffolgenden Samstag abreisen sollten. Lediglich drei Freiwillige hatten sich für einen dreiwöchigen Sprachkurs entschieden und würden somit eine weitere Woche in Sucre verbringen. Um die Woche näher zu beschreiben, vor allem diejenigen, die sich dem Sprachkurs nicht verpflichtet fühlten, führten ein absolutes Lotterleben. Während man jede sich zu bietende Gelegenheit nutzte, um den Sprachkurslern doch vorzuschwärmen, wie angenehm es sei, jetzt keine Hausaufgaben machen zu müssen oder gar nochmal zu Unterrichtsstunden erscheinen zu müssen, obwohl dies die meisten von uns doch in dem vergangenen Frühsommer für immer hinter uns gelassen hatten. Quasi als Revanche für unser nicht allzu nettes Verhalten sollten wir dann in einem Kindergarten unsere Zeit besser nutzen. Wie der Mentor aus Sucre mit seiner nicht allzu charmanten Ader zu pflegen sagte, die Jungs sollten mit den Kindern spielen und die Mädchen ihnen den Hintern abwischen. Schließlich würden sie dies ja später auch machen. Was man davon halten soll, bleibt jedem selbst überlassen. Letztendlich kam all dies jedoch genauso wenig zu Stande, wie das Angebot, wir könnten gegen die Mitarbeiter des Hostels Futsal spielen. Wobei letzeres sogar auf große Begeisterung bei uns stoß, da Fußball eine gut Art der Völkerverständigung ist. Stattdessen wurde uns am vorletzten Abend eine Ehemalige vorgesetzt, die unsere scheinbar nicht allzu große Motivation auf diesen Freiwilligendienst anheben sollte. Dieser Schritt, der ebenfalls vom Mentor eingeleitet wurde, hatte den Ursprung darin, dass eine Freiwillige bereits nach dieser kurzen Zeit den Entschluss für sich gefasst hatte, das Jahr abzubrechen. Leider war diese dann an dem Abend als einzige nicht anwesend, sodass uns lediglich nur noch mal in Erinnerung gerufen wurde, was alles noch kommen kann, wie viel Schönes dabei sein wird, von dem wir heute noch gar nichts wissen und wie schnell die Zeit doch vergehen wird. Letztendlich alles nur Worthülsen, von denen wir nicht behaupten können, sie nicht schon drei, vier Male gehört zu haben, allerdings zeigt es einem auch immer wieder was man für eine große Gelegenheit besitzt und in gewisser Wiese gar die Pflicht hat, diese nun auch das ´ganze Jahr auszunutzen. Wobei ich an dieser Stelle betonen muss, es darf natürlich nicht zum Zwang werden, da auch ich selber in Gedanken bei mir oder in Gesprächen mit anderen, an der Sinn- und Zweckmäßigkeit dieses Freiwilligendienstes gezweifelt habe, doch dazu mehr an anderer Stelle.

Die restliche Zeit verbrachte man mit der Möglichkeit nochmal mehr oder weniger tiefgründige Gespräche zu halten, sei es mit Wetlwärts-Leuten, IJFD-lern, Mitarbeitern des Hostels oder Reisenden, die ein Zahnarztprojekt hier in Bolivien geführt hatten. Während diese Gespräche und allgemein die letzte Woche doch zu ereignislos verliefen, sodass es sich nicht lohnen würde diese in die weite Welt hinauszutragen. Der letzte Tag bot jedoch nochmal ein Highlight, da wir ein bolivianisches Festmahl gegrillt bekamen, was wirklich vorzüglich war und ein weiteres Mal dafür sorgte, dass sich der ein oder andere überaß. Denn dann war es nun wirklich so weit, wir Camiri-Freiwilligen verabschiedeten uns als erste, aufgrund unserer recht langen Busfahrt, der Bus schon gegen Nachmittag abfuhr. Während der Abschied bei dem ein oder anderen doch gewisse sentimentale Züge mit sich führte, sagten wir mit einem „lachenden“ und einem „weinenden“ Auge „Hasta la vista amigos“ …

Camiri/ Macharetí-eine Bullenhitze und jede Menge tote Ameisen

Genau dies sollte uns nach einer recht schnell vergangenen Rückfahrt in unserer Herberge in Camiri erwarten. Nachdem wir uns nach den zwei Wochen Sucre schon wieder an tägliche 18 Grad Höchsttemperatur und mickrige 5 Grad in der Nacht gewöhnt hatten, erwarteten uns 39 Grad in Camiri. Vollkommen ermattet, da man nur ein wenig im Bus geschlafen hatte, zudem der Schlaf doch meist eher unruhig, ungemütlich und nicht erholsam ist, überlegte man ob es nun schlauer sei, alles sofort zu beseitigen, was Arbeit für Stunden bedeuten würde, oder fürs erste den Schmutz zwar als vorhanden anerkennen mehr aber auch nicht und dafür sich der Erholung widmen. Doch auch die zweite Möglichkeit schien nicht wirklich das Gelbe vom Ei zu sein, da man bei dieser Hitze kaum an Schlaf denken konnte. Letztendlich lief es darauf hinaus, dass wir zu viert die erste Schicht übernahmen, um diese dann immer wieder mit Schlafen oder bloßem nichts tun zu unterbrechen, um dann nachmittags die zweite Schicht dann vollständig abzuhalten und das Haus säuberten, bis es einigermaßen ansehnlich war. Des weiteren wurde mir vom Mentor Camiris berichtet in Machareti erwarten mich sogar 47 Grad, sodass ich meine Weiterfahrt auf den kommenden Tag verschob auch mit der Angst noch ein Zimmer mehr an diesem Tag putzen zu müssen. Diese Gelegenheit bot sich mir überhaupt erst, da für den nächsten Tag, der Tag der Schüler anstand/kein Unterricht und ich somit nicht unbedingt zur Schule kommen musste.

So machte ich mich dann gegen frühen Morgen auf, um in mein Dorf zu kommen. Bei meiner Reise setzte ich diesmal auf Kleinbusse(9-14 Menschen->mehr als an sich vorgesehen), die immer erst dann abfahren wenn sie voll sind, sodass man gut und gerne eine Stunde oder mehr auf die Abfahrt warten kann(je nachdem wie beliebt die Strecke ist). Der Vorteil, sie fahren eben theoretisch zu jeder Tageszeit und nicht wie die meisten Busse, die nur ein, manchmal zwei oder drei Mal am Tag fahren(allerdings nicht nach Machareti). Die Fahrt stellte sich als recht ungemütlich dar, da es zu 13 bei immer noch 45 Grad doch recht warm wird. Nach der Fahrt erwartete mich glücklicherweise ein recht sauberes Zimmer, allerdings musste ich vorher die Nachbarn um den Ersatzschlüssel bitten, da ich meinen verloren hatte(nach Hörnchenkissen und Aufladegerät nun der dritte schwerer wiegende Verlust). Neben dem Wetter musste ich mich auch erneut wieder an die unbequemeren Umstände gewöhnen was Bett, Wasserversorgung und vieles mehr betrifft. Dafür hatte ich nun wieder die Chance, um vollständig für längere Zeit an einem Ort zu sein.

Cuevo

Am darauffolgenden Wochenende sollte sich bereits das nächste „Spektakel“ anbahnen. So berichtete mir mein Gastvater es stehe der 120. Geburtstag des kleinen Dorfes Cuevo an. Mein Gastvater kam auf dieses Ereignis zu sprechen, da sein Bruder dort für den Bürgermeisterarbeitet. Gleichbedeutend sollte das für mich heißen, ich war mitsamt der restlichen Freiwilligen eingeladen dort kostenlos speisen und nächtigen zu dürfen. Neben diesen Nettigkeiten sollte das Wochenende außerdem gewisse sportliche Wettstreite und Fiestas bieten. Berichtet wurde im Vorhinein von Pferderennen und Motorradrennen, das war es dann auch schon an den üblicheren Wettkämpfen. Des Weiteren sollte es Hahnenkämpfe geben, wobei die Hähne mit Alkohol eingeschmiert und betäubt werden sollten. Zudem würden sie Metallringe mit einer Spitze tragen, um den Gegenüber aufzuschlitzen. Dies sollte nicht das einzige Spiel sein, was in Sachen Tierliebe in gewisser Hinsicht hinterfragt werden sollte. Die zwei letzten Spiele von denen ich erzählt bekam war zum einen der Wettstreit zwischen zwei Personen, die mit der Kniescheibe einer Kuh werfen sollten und je nachdem auf welcher Seite die Scheibe landen sollte, hatte man gewonnen  oder verloren. 100% habe ich das Spiel nicht verstanden. Das letzte Spiel sollte man sich insofern vorstellen, als dass wohl zwei oder mehrere(nicht ganz eindeutig bei der Erklärung gewesen) nach einer Ente die lebend im Boden vergraben ist, greifen sollten, um diese rauszuziehen(auch hierbei gab es gewisse Verständnisschwierigkeiten, sodass mir Einzelheiten vorenthalten blieben).

Um schon etwas vorweg zu greifen, wir haben uns tatsächlich keinen einzigen dieser Wettkämpfe angeschaut. Ursachen waren dabei entweder der fehlende Gefalle an den nicht gerade Tiergerechten Spielen, oder die Tatsache, dass wir aufgrund der Fiestas, die bis in den Morgen dauerten den halben Tag verschliefen.

Die Fiestas, von der ich nur  eine mitbekommen habe, fanden „a la cancha“ statt. Dies bedeutet, eine Art Turnhalle im Freien, allerdings überdacht und meist mit Bühne und Zuschauerrängen versehen. Es wurde wie wild getanzt, wobei wir eher unfähig daneben saßen und die Fähigkeiten der anderen bewundert haben. Irgendwann haben wir uns dann auch mal auf die Tanzfläche gewagt, wobei es am Anfang das typische Diskogehopse war mit Schritt links, Schritt rechts und ab und zu ein wenig mit den Armen wackeln, damit diese nicht einschlafen. Glücklicherweise gab es dann für uns alle irgendwann den Punkt, wo man einen Bolivianer/in für sich entdeckt hatte, der/die einen in die bolivianische Tanzkultur einführte. Stolz wie Oskar, wenn man halbwegs wusste was als nächstes passieren würde bekam man doch recht amüsierte und auch liebevolle Blicke der anderen Tänzer ab, die immerhin zu schätzen wusste, dass man es überhaupt versuchte.

So war dieses Wochenende eine weitere Erfahrung wert und wir kehrten schließlich alle ermüdet und glücklich wieder in unseren eigenen Betten schlafen zu können, nach Camiri zurück.

ein perfekter Tag

Wenn ein Dienstag perfekt sein sollte, bedeutete dies für gewöhnlich, es war schulfrei, der FC gewann ein Pokalspiel oder Ligaspiel unter der Woche. Heute habe ich erneut einen perfekten Dienstag erlebt, ganz ohne diese Faktoren. Wobei man beachten muss unter welchen Umständen dieser perfekte Tag überhaupt zu Stande kam. Dienstage beginnen für gewöhnlich um 7 Uhr mit aufstehen, welches sich meist als sehr schwer herausstellt. Die drei Doppelstunden sollten die Strapazen wettmachen. Ein erfolgreich erklärtes und angewendetes Spiel (Montagsmaler) sorgte für allseitige Begeisterung. Die drei Doppelstunden vergingen tatsächlich wie im Flug. Gebessert wurde meine Laune zusätzlich noch durch die Bestätigung, ich dürfe nun an der Lehrer-Olympiade tatsächlich wohl teilnehmen(Lehrer-Wettkämpfe aus Chuiqisaca im Bereich Tanzen, Futsal, Basketball und Volleyball). Schnell berappte ich 65 Pesos(unter 10€) , um meine „uniforme“ im Machareti-Design demnächst zu erhalten. Für mich eine gewisse Demonstration, dass ich wieder ein Stück weit mehr angekommen bin. Glücklich schritt ich nach Unterrichtsende von dannen, um bei wieder mal angenehmen 38 Grad(mittlerweile wirklich angenehm und alles unter 30 Grad empfinde ich gar als kühl) eine kühle, selbstgepresste Limonade zu schlürfen. Ein weiterer einfach wunderbarer Moment an diesem Tag. Wie einfach manche Dinge doch sein können. Nun sitze ich  vor dem Fernsehen und habe das Vergnügen mit vollkommener Sorglosigkeit dem Gruppenspiel zur WM Ecuador gegen Bolivien zu folgen, während sich der Kommentator und mein Gastgroßvater jede Ecke für Bolivien, wie den Anfang des 1. Weltfriedens feiern und vergebliche Klärungsversuche mit wüsten Schimpfereien begleiten, um kurz darauf in Schockstarre zu verfallen, aufgrund der vergebenen Chance, die nach wenigen Sekunden jedoch wieder abfällt und mit Aufmunterung beglichen werden. Also eigentlich genauso verrückt wie beim FC.

Sucre

Sucre

Darüber hinaus hatte sich am Donnerstag ergeben, dass wir schon dieses Wochenende in Sucre sein sollten, um unser Visumsverfahren abzuschließen. Dies sollte laut Mail lediglich 3 Werktage dauern, also bis zum kommenden Mittwoch. Während unsere Abreise erst für den Sonntag geplant war, weilten die meisten schon seit Freitag in Sucre, auch dank kürzerer Anreise. Jedoch stand für den Sonntag das Fest der Fußgänger an, sodass weder Autos noch Busse fuhren. Damit wurde unsere Hinfahrt immerhin auf Samstag verschoben, was allerdings noch immer bedeutete, dass wir die Letzten waren, die in Sucre ankamen. Dies lag erneut daran, dass wir einen Bus erwischten, der sich diesmal von dem Bus der Monteagudo-Freiwilligen überholen lies. Die Fahrt an sich gestaltete sich, wie die vorherigen, als sehr spannend. Zum ersten Mal passierten wir den Teil der Strecke der unmittelbar nach Camiri folgt in der Helligkeit. Unser Bus führte uns entlang steiler Abhänge, durch Bäche und über holprige Pisten nach Sucre. Tatsächlich ergab sich sogar die Möglichkeit ein Abendessen der Sorte Pollo(Hähnchen) zu genießen was vorzüglich schmeckte. Als Nachspeise kauften wir uns am Straßenrand ein Päckchen Zuckerrohr, was die Geschmacksnerven Tango tanzen ließ(wir waren alle etwas aufgedreht wegen des Zuckers). Wie bei Fahrten nach Sucre üblich wurde es mit zunehmender Zeit kühler und kühler aufgrund der Höhe, die man mit der Zeit erreichte. Gegen 2 Uhr Nachts kamen wir dann in Sucre in einer Eiseskälte an, um dann vor einer geschlossenen Jugendherberge zu stehen. Allerdings öffnete uns nach ein paar Minuten ein entnervter(wir waren bereits die 3. Gruppe, die seine Nachtruhe störte) und ermüdeter Mitarbeiter die Tür. Nach der nächtlichen Zimmereinteilung ging es dann sofort ins Bett. Wären wir stattdessen noch ein wenig aufgeblieben, hätten wir die anderen begrüßen können, die von einer wilden Partynacht wiederkamen. Stattdessen erblickten uns dann am nächsten Morgen lediglich ein paar wenige, mit zu wenig Schlaf gesegnete Gesichter. Des Weiteren bot der kommende Tag eine Wanderung zu den „Siete Cascadas“(die sieben Wasserfälle), welche vom Neffen des Mentors von Sucre geführt wurde. Dieser schaffte es aufgrund seiner deutsch Kenntnisse(er lebt in Deutschland) und seinem süddeutschen Akzent eine ordentliche Truppe zusammenzustellen. Die Wanderung zu den Wasserfällen sollte circa 3 Stunden pro Strecke dauern und führte uns durch Sucre, hinaus aus der Stadt durch wilde Landschaften und einsame Dörfer. Da an diesem Sonntag auch in Sucre dank des Tag des Fußgängers keine Autos fuhren, stellte sich das flanieren durch Sucre ausnahmsweise als sehr angenehm heraus. Dies führte unter anderem dazu, dass mitsamt einem weiteren Freiwilligen aus Camiri, wir zwei die Nachhut bildeten. Um genau zu sein hätten wir die richtige Abzweigung verpasst hätte nicht eine weitere Freiwillige aus Camiri auf uns gewartet. Jedoch musste sie so lange auf uns warten, dass wir nun zu dritt die restliche Gruppe verloren hatten. So begaben wir uns auf die Suche nach diesen „sieben Wasserfällen“ ohne Hilfe von Google Maps oder irgendwelchen Touristenführern, sondern ganz einfach durch fragen der dort Wohnenden. Dieses Vorgehen führte uns über Felder, durch Täler, steile Abhänge hinab tatsächlich zu einem kleinen Bach. Auf dem Weg hatten wir sogar die anderen wieder getroffen, wenn auch anders als erwartet, beziehungsweise erhofft, und zwar ein ganzes Stück weitere, auf einem gegenüberliegenden Hang. Denn im Gegensatz zu uns hatten sie nicht auf die Kenntnisse der Einheimischen gesetzt, sondern auf den Weg, der bei  Google Maps angezeigt wurde. Dies führte unweigerlich dazu, dass sie einer offiziellen, breiten und wenigstens halbwegs befahrenen Straße folgten, wohingegen wir bis auf die Einheimischen, zwei weitere „Wanderer“ aus Bolivien und einem einsamen Fischer niemanden trafen. Allerdings gaben all jene, die wir trafen, uns zu erkennen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befänden. Nachdem wir die anderen gesehen hatten, bestanden unsere Gedankengänge aus „wir haben  uns total verlaufen und werden nie mehr die Wasserfälle erreichen“ und „wir haben einfach ‘ne super Abkürzung entdeckt die uns auf dem kürzesten Weg und schneller als die anderen zum Ziel bringen wird“. Wobei wir den Wahrheitsgehalt des ersten Punktes als wahrscheinlicher einschätzten. Am Bach angekommen, überlegten wir uns des Weiteren wie eindrucksvoll die Wasserfälle denn überhaupt sein konnten, bei so einem winzigen Bächlein. Der Fischer, der uns am Bach schließlich die finale Richtung anzeigte, ob flussabwärts oder aufwärts, sollte uns zu dem ersten der sieben Wasserfälle führen. Auf dem Weg mussten wir bereits mehrfach den Bach oder große Felsbrocken überqueren. Vor allem der Fluss hatte mittlerweile Ausmaße eines tieferen und schwierig zu überquerenden Gewässers angenommen, sodass zwei von uns den weiteren Weg mit nassen Schuhen vollführen sollten. Der Wasserfall war dann netterweise doch recht eindrucksvoll, sodass wir dort eine Rast einlegten, um an diesem idyllischen Ort ein wenig zu verweilen, zu verschnaufen und unsere Energiereserven mit Crackern aufzubessern. Wie gut doch solche Cracker schmecken können, wenn es das einzige darstellt an Nahrung, was einem für den Tag noch blieb. Eine ähnliche Erfahrung sollte ich im weiteren Verlauf des Tages, nochmal am eigenen Leib verspüren, doch dazu später. Nachdem wir eine gewisse Zeit an dem plätschernden Wasserfall die Seele baumeln ließen und Gedankenspielen nachgingen, wie „was wäre denn, wenn wir ein Aussteigerleben in Bolivien führen würden. Ein einfaches Haus mit Garten für Obst und Gemüse und ein paar Tieren.“ Der Gedanke war schon sehr weit ausgeführt(dafür waren die drei richtigen Leute(alle aus Camiri/Machareti) am richtigen Ort), als uns auffiel, dass sich unsere Häupter so langsam verfärbten und ein auffälliges und unangenehmes rot annahmen. Dies lag vornehmlich daran, dass  man mit typischer Torheit an die Sache heran gegangen war, ganz nach dem Motto “Ich bekomm‘ schon keinen Sonnenbrand“. Dies funktioniert vielleicht noch an jeglichen Rivieras in Südeuropa, in Bolivien aber, auf fast 3000 Metern, in T-Shirt und kurzer Hose, mit strahlendem Sonnenschein und ohne Wolke, ist dieses Verhalten jedoch eher kontraproduktiv für die Gesundheit des eigenen Körpers. Nachdem wir diesem Malheur ein wenig entgegen zu steuern versuchten, indem wir uns mit unseren Jäckchen versuchten abzudecken, bekamen wir den ein oder anderen interessierten Blick von Bolivianern zu sehen, die wohl selten, solch lächerliche Versuche gesehen hat sich der Sonne zu widersetzen. Als auch diese „Schmach“ überwunden war, widmete man sich dem Gedanken, wo denn die anderen bleiben würden, es wurde in alle Richtungen philosophiert, jedoch rechnete man nicht damit, dass diese nach circa einer ¾ Stunde plötzlich auftauchen würden. Sofort berichteten sie uns sie seien die ganze Zeit gelaufen und hätten aufgrund des „gewählten“ Fahrweges deutlich länger gebraucht, als wir auf unserem. Zusätzlich zu der ¾ Stunde, die wir bereits auf die anderen „gewartet“ hatten muss man in gewisser Weise noch unser wirklich sehr, sehr langsames Tempo mit einrechnen, sodass wir wirklich mit sehr guter Laune von unserem Weg und unserer Warterei berichteten, was komischerweise für nicht gerade begeisterte aber immerhin, wie bei uns für ordentlich von der Sonne gezeichnete Mienen/Gesichter sorgte. Nachdem wir uns schon insgeheim mit dem einen Wasserfall zufrieden gegeben hatten und auch nicht wussten, wie wir zu den anderen gelangen sollten, da ab hier an kein offensichtlicher oder möglicher Weg vorbei an dem Wasserfall führte, teilte man uns mit, ab hier an müsse man klettern. Während der erste Wasserfall noch recht leicht zu erklimmen war, folgte auf diesen ein Felsabschnitt, der wirklich nur mit Geschick und ordentlich Kraft erklommen werden konnte. An dieser Stelle, trennte man sich von der restlichen Gruppe, da sich die meisten lieber dafür entschieden an Ort und Stelle zu warten, anstatt den anderen zu folgen. Diese Trennung führte nun zu dem Ereignis des Tages. Zu viert, der Neffe des Mentors, der uns den Weg leitete, zwei Freiwilligen aus Alcala(www.facebook.com/mattesimkarusell) und mir, machten wir uns nun auf den Weg, um auch die restliche Wasserfälle zu sehen, die laut Aussage des Neffen noch eindrucksvoller werden sollten. An einem besonders anspruchsvollen und schwierigen Hang, der senkrecht und bis auf eine Höhe von 4-5 Metern erklommen werden musste, teilte er uns außerdem mit, sollten wir abrutschen, sollten wir uns am besten von der Wand abstoßen, um sich dort nicht zu verletzen, stattdessen würde man im Wasser landen, wobei wir nicht getestet hatten/testen wollten, wie tief dies denn überhaupt sei. Dies lag unter anderem daran, dass manch einer noch seinen Rucksack trug, in dem Handy und Kamera verstaut waren. Ich dagegen hatte meine Wertsachen dagegen „schlauerweise“ vorher abgegeben. Nachdem die ersten beiden die Wand erklommen hatten und oben auf uns warteten, folgten wir, um während des Kletterns wirklich an unsere Grenzen zu stoßen und kurz davor waren abzubrechen. Letztendlich schafften wir es beide doch noch ermattet aber glücklich hoch, allerdings beide mit der Gewissheit, zurück würden wir definitiv ein anderen Weg nehmen wollen. Außerdem bot sich oben angekommen, eine weitere Tatsache, scheinbar(zumindest rückblickend auf den Tag) hatten sich die anderen von unseren Worten derart beeinflussen lassen, dass sie ohne auf uns zu warten weitergegangen waren und für uns es nicht mehr ersichtlich war, welchen Weg sie ab hier an eingeschlagen hatten. Jedoch glaubten wir an diesem Punkt noch, sie müssten bestimmt hinter der nächsten „Ecke“ zu sehen sein, sodass wir weiterhin dem Fluss folgten. Doch auch nach mehreren 100 Metern war keine Spur von den anderen zu sehen. Während wir uns so langsam mit dem Gedanken befassten, wir hätten die anderen zwei verloren, begaben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Rückweg. Um uns herum ragten jedoch zu allen Seiten die Berge auf, sodass wir uns pi mal Daumen Richtung Stadt aufmachten, was dazu führte dass wir querfeldein die Berge hochmarschierten und ein um das andere Mal auch wieder runter, da der ein oder andere Weg im Nichts oder an einer unpassierbaren Felskannte endete. Da ich, wie vorher beschrieben meine Wertsachen samt Handy den anderen überlassen hatte und das zweite Handy uns aufgrund fehlenden Akkus ebenfalls verlassen hatte, konnten wir den anderen nicht mal mehr eine Rückmeldung geben, wo wir waren und das wir nicht vorhatten, nochmal an den alten Treffpunkt zurückzukehren. Nachdem die Sonne ihren weiteren Lauf nahm, aber immer noch mit einer nicht zu unterschätzenden Stärke schien, sorgten wir uns so langsam, ob wir überhaupt noch einmal zurückkamen. Schließlich fanden wir einen halbwegs passierbaren Weg, der uns zurück in das Flusstal führte, zwar nahmen wir einen immensen Umweg in Kauf, dafür waren wir nun auf halbwegs bekannten Wegen unterwegs. Da neben unseren Kräften auch der Wasservorrat zu Neige ging, kamen wir zu dem Entschluss, das Wasser aus dem Bach zu trinken, um uns noch ein Mal zu stärken. Nach Stunden gelangten wir dann an die Abzweigung, an der es den steileren aber deutlich schnelleren Weg nach Sucre zurück gab oder wir müssten weiter dem Fluss folgen, um den Fahrweg zu erreichen. Mit letzten Überredungskünsten und größter Verzweiflung machten wir uns auf, um den letzten und kürzeren Anstieg zu meistern. Trotz scheinbarer Erschöpfung, sichtbarem Sonnenbrand gelangten wir mit mehreren Pausen oben an. Nun verspürten wir neben der Erschöpfung auch den Hunger, da wir seit Morgens(bis auf die Cracker) nichts gegessen hatten und es mittlerweile später Nachmittag war. Zuerst bekamen wir einen Faustgroßen Klumpen steinhartes Brot von einem kleinen Mädchen, was uns wohl unseren großen Hunger angesehen hatte. Allein diese kleine Kost war Balsam für die Seele jedoch weckte es erst so recht unseren Hunger. An der ersten „Tienda“ bereicherten wir uns dann mit Wasser und am zweiten mit zehn Brötchen. Was nach einer eher traurigen Mahlzeit klingt, weckte in uns größte Euphorie, gleichzusetzen mit dem Meistertitel 15/16 für den FC. Jedoch konnte es nicht unsere Erschöpfung wettmachen, denn wir hatten weiterhin noch einen weiten Weg vom Umland bis in Sucre rein. Man beachte weiterhin fuhren keine Autos, sodass wir uns irgendwie gen Sucre schleppten und uns dabei auch noch verliefen. Wir befanden uns irgendwo, in einem für uns unbekannten und zentrumsfernen Viertel von Sucre, da wir nun jedoch immerhin so lange gelaufen waren und es abends war, fuhren mittlerweile Taxen. Mit dem Gedanke, dass uns die restlichen Freiwilligen an der Jugendherberge mit sorgenvollen Mienen und einer warmen Mahlzeit erwarten würden, begaben wir uns auf die angenehme Rückfahrt. Angekommen an der Jugendherberge wartete bereits ein Freiwilliger, auch wenn eher mit überraschter, anstatt sorgenvoller Miene. Er berichtete uns, alle würden uns suchen, allerdings noch an den Wasserfällen und wir wären die ersten die da sein. Tatsächlich war das eingetreten, was wir für unwahrscheinlich hielten, die anderen hatten tatsächlich die ganze Zeit (wie sie im Nachhinein erfuhren umsonst) auf uns gewartet, wobei sie weitere Suchtrupps ausgesandt hatten, natürlich ohne Erfolg. Nachdem kundgegeben wurde, wir sein halbwegs wohl und gesund angekommen,  begaben sich nun auch die anderen auf den Nachhauseweg. Wie wir später erfuhren, hatten sie dem erstbesten Auto 100 Bolis in die Hand gedrückt, um sie nach Sucre zurückzubringen. Während wir frisch geduscht und uns ein wenig von dem Tag zu erholen versuchten, mussten wir die ein oder andere Hasstirade eines Rotgesichtes(eher wegen dem Sonnenbrand, als vor Wut), über uns ergehen lassen. Letztendlich hielt der Frust manch eines Wartenden nur ein paar Tage und konnte vor allem durch unseren Fußmarsch den wir zurücklegen mussten und unsere Magen-Darm Krankheit, die aus dem Trinken des Bachwassers resultierte, die uns Schmerzen und schlaf- eher kotzende Nächte bereite, geschmälert werden.

Alles in allem war es eine super Erfahrung und sehr gut zu sehen, dass es einen großen Zusammenhalt in der Bolivien-Weltwärts Gruppe gibt. Für viele bleibt es wohl ein unvergesslicher Tag, sei es aufgrund der Erschöpfung, der resultierenden Krankheit, der netten Andenken in Form von Fotos, oder wie bei den meisten ein enormer Sonnenbrand, sei es im Gesicht, im Nacken oder an den Armen, sodass sich in den folgenden Tagen zahlreiche Freiwilligen pellten.